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Die Geschichte von Velen
Erstmalig schriftlich erwähnt werden die heutigen Ortsteile um 890 (Velen) bzw. 1050 (Ramsdorf).
Während Ramsdorf in der Folgezeit vor allem durch die Verleihung der
Stadtrechte im Jahre 1319 und den Bau der Burg 1425 den Charakter einer
- wenn auch kleinen- Stadt annahm, stand Velen seit dem Mittelalter
unter dem dominanten Einfluss der Herren von Velen. Obschon sie seit
1372 dem Bischof von Münster lehnspflichtig waren, gelang es der
Familie von Velen, im Laufe der nächsten Jahrhunderte bis in die
obersten Ränge des westfälischen Adels aufzusteigen. Hermann VII. von
Velen (1516-1595) begründete die engen Beziehungen Velens zum Emsland,
die Dietrich von Velen (1591-1657) mit der Gründung der Stadt Papenburg
festigte und ausbaute. Alexander von Velen zu Raesfeld (1599-1675)
brachte es als Heerführer der katholischen Liga im dreißigjährigen Krieg zum kaiserlichen Feldmarschall und wurde als "westfälischer Wallenstein" bezeichnet.
Die Burg Ramsdorf wurde 1425 für den Münsterischen Fürstbischof Heinrich von Moers
errichtet. Bereits 1451 in der Münsterischen Stiftsfehde (1450 - 1457)
wurde sie zerstört und anschließend teilweise wieder aufgebaut. Im 17.
Jahrhundert verfiel sie erneut. Das heute bestehende rechteckige
Backsteingebäude mit Werksteingliederung wurde 1727 von den Brüdern
Alexander und Anton Jungeblodt erstellt. Dabei blieben Reste der Anlage
des 15. Jh., vor allem der runde Eckturm erhalten.
Seit 1930 beherbergt die Burg das Museum Burg Ramsdorf. Die 1993
nach neuesten musealen Gesichtspunkten neugestaltete Ausstellung
gliedert sich in Abteilungen zur regionalen Ur- und Frühgeschichte, zur
Stadt- und Sozialgeschichte sowie zur Naturkunde. Der Burgsaal dient
kulturellen Zwecken.
Auf die lange Geschichte der Pfarrei St. Walburga verweist die
dreischiffige Hallenkirche St. Walburga, die im Kern 1410 errichtet
wurde. Mit dem Bau des Westturms und die beiden Seitenschiffe wurde
1513 begonnen. Die Osterweiterung durch Querschiff und Chor erfolgte
von 1912 bis 1914.
Ein weiteres bedeutendes historisches Bauwerk ist das Haus
Röllinghoff. An dem Bauernhaus blieb ein Flügel aus dem frühen 16. Jh.
erhalten. Im Hauptgeschoss dieses Backsteinbaus befindet sich einer der
ältesten in seiner ursprünglichen Form erhaltenen profanen Säle des
westlichen Münsterlandes.
Das Schloss Velen mit Ursprüngen aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, erfuhr vor allem unter dem bedeutendsten westfälischen Baumeister, Johann Conrad Schlaun,
in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Umgestaltung zum späteren
"Märchenschloss des Münsterlandes". Nach einem verheerenden Brand im
Jahr 1931 wurde das Schloss wieder aufgebaut und beherbergte zunächst
ein Lazarett, ein Altersheim und dann eine Zollschule. Nach
umfangreichen Renovierungs- und Restaurierungsmaßnahmen wurde im Jahr
1988 das heutige Sporthotel eröffnet.
Unterdessen litt die einfache Bevölkerung bis zu Beginn des 19.
Jahrhunderts unter den stetig wiederkehrenden Kriegen. Nicht zuletzt
die enormen Militärkosten und die ständigen Einquartierungen führten
dazu, dass Ramsdorf trotz seiner Stadtrechte nicht über den Status
eines sogenannten Wigboldes, einer Stadt mit minderen Rechten,
hinauskam. Als im Jahre 1816 Preußen die Herrschaft über das
Westmünsterland übernahm, zählte die heutige Gemeinde (mit den
damaligen Ämtern Velen und Ramsdorf) 3780 Einwohner. Die Mehrzahl der
Einwohner lebte von der Landwirtschaft und betrieb im Neben und
Zuerwerb vor allem Handweberei. Wenn auch weiterhin Armut und Not
häufiger Gast in den Häusern Velens und Ramsdorfs waren und viele
Menschen ihr Glück in der Auswanderung nach Amerika suchten, so begann
doch langsam ein Wandel zum besseren. Bereits seit 1848 wurden beide
Ämter in Personalunion von einem Amtmann in Velen geleitet. Der Ausbau
des Schulsystems, die Agrarreformen und die vor Ort seit etwa 1870
maschinell betriebene Textilindustrie brachten beiden Orten wichtige
Impulse. Das Velener Adelshaus prägte vor allem durch Ignatz von
Landsberg-Velen (1788-1863) und seinen Enkel Maximilian (1847-1902)
über die Gemeinde hinaus die westfälische Geschichte. Trotz dieser
Entwicklung hatte sich speziell Ramsdorf bis in das zwanzigste
Jahrhundert hinein den Charakter einer Ackerbürgerstadt erhalten, die
Einwohnerzahl beider Ämter war bis 1900 (4100) ebenfalls kaum gestiegen.
Die Jahre bis 1933 waren für beide Ämter von wechselnder Konjunktur,
einem Anwachsen der Bevölkerung und langsamer Modernisierung
gekennzeichnet. Als Velen und Ramsdorf 1945 Bilanz der zwölfjährigen
Naziherrschaft zogen, waren die materiellen Schäden durch den Weltkrieg
lediglich in Ramsdorf von größerer Bedeutung. In personeller wie
moralischer Hinsicht aber waren die Verluste unermesslich, mehr als 500
vermisste und gefallene Personen sowie mehrere jüdische Familien waren
dem braunen Terror zum Opfer gefallen.
Trotz vieler Schwierigkeiten in den ersten Nachkriegsjahren (z. B.
Flüchtlingsproblematik) nahm die Gemeinde nach 1945 eine sehr positive
Entwicklung. Neben einer weiteren Verbesserung der Infrastruktur gelang
es vor allem, durch die Ansiedlung neuer Betriebe die Wirtschaftskraft
zu heben. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung, die zu einer
effektiveren Verwaltung führte, wurden die Gemeinden Ramsdorf-Stadt und
Ramsdorf-Kirchspiel 1959 zur Gemeinde Ramsdorf zusammengeschlossen.
Zehn Jahre später erfolgte die Zusammenlegung der drei Velener
Gemeinden, Velen-Dorf, Waldvelen und Nordvelen. Mit der Bildung der
zweipoligen Gemeinde Velen aus den ehemaligen Gemeinden Velen und
Ramsdorf fand diese Entwicklung 1975 ihren Abschluss.
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